One’s destination is never a place, but a new way of seeing things

 

Ganz schön okay?! Sagt Casper. Ich hab viel zu erzählen, schön dich zu sehen, auf einen Schnaps oder zehn! Es ist so schön, Erlebnisse und Erfahrungen mit Freunden zu teilen. Noch einmal in Gedanken durch den weißen Sand von Bali laufen, noch einmal einen Blick auf den Mount Everest werfen und spüren, wie sich der Wind angefühlt, wie die Sonne die Haut und die Seele gewärmt hat.

Freie Zeit ist das kostbarste Geschenk, das man bekommen kann. Lebenszeit, die wir anderen widmen, ist das größte Geschenk, das wir machen können. Die letzten drei Wochen waren angefüllt mit vielen besonderen Momenten und Erlebnissen. Was bleibt ist für das Jetzt die Freude über die Auszeit, die Eindrücke, die wir sammeln dürften und die Freude darüber, dass sich Menschen am anderen Ende der Welt Zeit für uns genommen haben, um uns ihre ganz persönliches Leben zu zeigen. Wir haben eine neue Welt kennengelernt, über die wir stets gedacht haben, alles zu wissen, weil sie uns aus Web, Film und Fernsehen so trügerisch vertraut und bekannt vorkommt. Wir als Deutsche und alle Bewohner der westlichen Welt eifern von Kindesbeinen – ob bewusst oder unbewusst – der erfolgreichsten und einflussreichsten Nation der Welt nach – Amerika.

Was aber passiert, wenn man nach Texas reist, um Amerika kennenzulernen? Richtig, man lernt Menschen in La Grange kennen, ein kleines, weitläufiges Örtchen im Südosten Texas, die mit Stolz und aus Spaß an der Freude Cowboyhüte im Supermarkt zum Einkaufen tragen, das Oktoberfest feiern, weil sich ursprünglich im 18. Jahrhundert deutsche und tschechische Siedler auf diesem wirklich wunderschönen Flecken Erde niedergelassen haben und klischeemäßig verrückt nach Country-Musik sind.

Ein stolzer, eigenständiger und zutiefst eigensinniger Staat, der als einziger unter 51 Staaten in den USA seine Flagge auf gleicher Höhe neben der US-Flagge hissen darf, ohne skrupelhaft oder respektlos zu sein. Der einzige Staat, der rechtlich und geographisch eigenständig zwischen Mexiko und der USA existiert hat und nicht auch nur ein kleines Stück dieses Kampfgeistes bis heute eingebüßt hat. Aus dieser Geisteshaltung heraus lässt sich vielleicht besser verstehen, warum gerade die Menschen in Texas ihre Freiheit und Unabhängigkeit mit Waffen verteidigen wollen, deren Besitzrecht ironisches Weise ein Symbol für die durch die Verfassung garantierte Freiheit der amerikanischen Bürger ist. Freiheit erschafft Vielfalt. Egal wo Mann oder Frau in Texas steht und sich um die eigene Achse dreht, es gerät mindestens eine Kirche ins Blickfeld. Menschen tragen große und kleine sowie bunte und schlichte Kreuze als Kettenanhänger und plakatieren Werbeflächen mit religiösen Slogans wie „Jesus loves you.“ Welcher Kirche man angehört, spielt eine untergeordnete Rolle. Wichtig ist, dass alle Nachbarn wissen, dass man sonntags zum Gottesdienst geht bzw. fährt, denn zu Fuß gehen kennen und können die Amis nicht . Deshalb sind auch die Gartenzäune in Texas keine Holzbarrikaden wie bei uns, sondern Maschendrahtzäune. Es wird geteilt, was mein Gegenüber wissen soll und das so lautstark und innig wie möglich. Schwierig wird es beim Thema Vertrauen. Die durchschaubaren Zäune werden in aller Regel von Hunden bewacht oder sind mit Kameraanlagen gesichert. Die offenen Grundstücke brauchen keine Mauern, denn ihre Bewohner dürfen ihr Hab und Gut mit Waffengewalt verteidigen. Was passiert also, wenn ich meinem Nachbarn oder gar einem fremden den Rücken kehre? Ich wiege mich in der Gewissheit, mich im Notfall verteidigen zu können. Leider leben die Texaner aber auch in dem Wahn, sich vor Unheil und Gefahr verteidigen zu müssen. Da ist es egal, ob man Hobbyschütze ist oder nicht, ob man Patriot oder Demokrat ist.

Texaner sagen, nicht Waffen töten Menschen, sondern Menschen töten Menschen. Ein Totschlag-Argument, was faktisch nicht von der Hand zu weisen ist. Was bleibt, ist ein ständiger Verdacht oder ein unterschwelliges Misstrauen. Gegen jeden Fremden, egal ob Amerikaner oder nicht. Demgegenüber steht eine offenherzige und authentische Gastfreundschaft sowie das Interesse an anderen Kulturen und Nationen. Es liegt stets eine gewisse Neugier in der Luft und wenn ein Gespräch Fahrt aufgenommen hat, rettet sich der Befragte allenfalls noch auf ein durchlöchertes Rettungsboot der typisch deutschen Zurückhaltung. Es gibt keine Tabu-Themen, die Amis wollen alles wissen und alles verstehen. Hier weilt das Gefühl der Vertrautheit ganz kurz. Minuten später jedoch oder spätestens beim Abschied am späteren Abend wird sich erneut der für deutsche Verhältnisse völlig überzogenen und viel zu überschwänglichen sowie oberflächlichen Abschiedsworte bedient, die viel verheißen, aber mehr Schall und Rauch sind als echte Sympathiebekenntnisse.

 

Amerika – ein Land voller Gegensätze. Was ganz schön okay ist, wenn man akzeptiert, dass man als Besucher nicht die Aufgabe hat, diese Gegensätze aufzulösen, sondern sie anzunehmen, zu verstehen und dann zu bewerten. Zum Abschied vor dem gelb-schwarzen Schulbus habe ich den Satz gehört: „Schön, dass ich so viel von dir lernen konnte.“ Wer ihn gesagt hat, weiß ich nicht, macht aber gar nichts, denn die Botschaft ist universell!

Der lange Weg in die Gegenwart

Kennt ihr das auch? Immer wieder nimmt man sich so viele Dinge vor, hat tausend Gedanken im Kopf, viele gute Eingebungen und verspürt einen unbändigen Tatendrang in alle mögliche Richtungen, aber man findet keinen Anfang? Statt sich der Dinge nacheinander anzunehmen, verharrt man in Tatenlosigkeit und ertappt sich auf dem Sofa sitzend ins Nichts starrend und gibt sich seiner zahlreichen Tagträume hin, anstatt aufzustehen und raus in die Welt zu gehen…

Es ist schon eine ganze Weile her, dass ich einen Blogeintrag geschrieben habe. Ich habe so oft die Lust verspürt, hätte so vieles zu sagen und zu erzählen gehabt, weil sich einige erfreuliche und aufregende Dinge getan haben und ich viel erlebt habe, aber ich habe Mal wieder keinen Anfang gefunden. Gerade habe ich einen flüchtigen Blick auf meinen Kühlschrank geworfen, der mit Postkarten, Einladungen, Eintrittskarten und allerlei Magneten plakatiert ist, und mein Blick ist dabei auf einem Brief haften geblieben. Diesen Brief habe ich ziemlich genau vor einem Jahr an mich selbst geschrieben und ihn dann mit 20 weiteren Briefen in eine Schublade gesteckt…Ihr fragt euch jetzt sicher, welchen Plan ich damit verfolgt habe… Ich kann euch beruhigen, gar keinen. Zumindest keinen Plan für mich. Mein Leistungskurs macht gerade Abitur und ich habe die Schüler vor einem Jahr gebeten einen Brief an ihr zukünftiges Ich zu schreiben, das kurz vor den Abiturklausuren steht. Dies haben die Schüler mit großer Begeisterung gemacht und ich scheinbar damals auch. Als ich diese Briefe vor drei Wochen aus der Schublade gekramt habe, habe ich nicht schlecht gestaunt, als mir mein eigener Brief wieder in die Hände gefallen ist. Ich hatte tatsächlich vergessen, dass ich ebenfalls einen Brief verfasst hatte. Erstaunt war ich vor allem darüber, dass ich scheinbar intuitiv gewusst haben muss, wie es mir heute gehen wird, denn ich habe mir selbst einige sehr passende und weise Worte mit auf den Weg gegeben. Natürlich steckt auch einige Ironie zwischen den Zeilen, aber der grundsätzliche Ton trifft dennoch den gegenwärtigen Gefühlszustand. Ich wusste genau, dass eine Zeit der Veränderung vor mir liegt, als ich mir damals schrieb, dass ich hoffen würde, heute die Konturen meiner Zukunft und der mit ihr verbundenen Träume, Wünsche und Hoffnungen etwas klarer sehen zu können, als zum Zeitpunkt des Verfassens des Briefes. Ich habe nicht schlecht gestaunt, als ich las, dass ich eines nicht vergessen solle:

„Ich wünsche mir, glücklich und zufrieden zu sein, Ich selbst zu sein und frei zu sein. Freiheit ist das höchste Gut. Bewahre dir diesen Vorsatz, weiche nicht ab von diesem Weg, der vor dir liegt. Glaube an die Zukunft, vertraue darauf, dass alles gut wird!“

Vergessen werde ich die Bedeutung der Freiheit sicher nie, aber vielleicht ist dieser Gedanke, ist dieser privilegierte Zustand, nicht immer präsent, dringt nicht immer bis an die Bewusstseinsschwelle. In Zeiten wie diesen ist es kaum möglich, den Wert der Freiheit zu wenig zu betonen. Ich habe sogar das Gefühl, dass wir uns dessen trotz Wohlstandsgesellschaftsdenken langsam aber sicher alle immer bewusster werden, denn die Freiheit ist bedroht und das spüren wir. Ich war sehr stolz am letzten Wochenende, als ich beobachte konnten, mit wieviel Hingabe und friedliebenden Enthusiasmus die Kölner für die Bewahrung von Vielfalt, Offenheit und Toleranz auf die Straße gezogen sind, um zu singen und zu tanzen und das Leben zu feiern, das wir in einer Demokratie leben dürfen.

Freiheit bedeutet aber auch gedanklich frei zu sein. Dies ist es auch, was ich vor einem Jahr gemeint habe, als ich mir den obenstehenden Rat gegeben habe. Auch dieser Zustand birgt wichtige Güter. Nämlich die Eigenständigkeit und die Unabhängigkeit. Unabhängig zu werden ist vielleicht gar nicht das Schwerste. Ich habe im vergangen Jahr festgestellt, dass es zumindest für mich schwieriger gewesen ist, unabhängig zu sein. Ich hätte nicht gedacht, dass es einer so langen Zeit voller kritischer Gedanken bedarf, bis ich mich auch innerlich mit diesem Zustand wohl fühle und wieder im reinen mit mir  bin. Ich habe lange Zeit meiner letzten Beziehungen hinterhergetrauert, der ich aus freiem Willen und aus tiefster Überzeugung ein Ende gesetzt hatte. Doch prompt war ich frei und unabhängig, hat mein inneres Kind angefangen zu rebellieren, mich zu beschimpfen, mein Selbstwertgefühl mit Kritik und Zweifeln zu überhäufen und mich in ein verdammt unwägbares Tal zu schupsen, aus dessen Sumpf sich heraus zu kämpfen, so verdammt harte Arbeit war. Dankbar dafür bin ich heute auch nur bedingt, was aber nicht bedeutet, dass ich nicht einige Lektionen habe lernen können, die mich auf die Zukunft mit mir selbst vorbereitet haben. Dass ich jetzt endlich in dieser Zukunft angekommen bin, ist zumindest für mich ein erhebendes Gefühl. Ich wusste schon immer, dass ich ein Beziehungsmensch bin und ich sehr gut in Beziehungen funktioniere, weil ich mich gut auf andere Menschen einstellen kann. Es hat bis hier her gedauert zu lernen, auch alleine wieder ich selbst zu sein, nur eben eine andere Facette von mir selbst, die ich erst (wieder-)entdecken musste. Die spannende Reise zum eigenen Ich ist wahrscheinlich nie ganz abgeschlossen. An sich zu arbeiten und sich weiterzuentwickeln gehört zu dem universalen Bedürfnis des Menschen zu Lernen dazu, keine Frage. Obwohl man sich selbst so nahesteht, nimmt es doch einige Reflexionsrunden und hermeneutische Zirkel in Anspruch, bis man überhaupt auch nur in die Nähe des existentiellen Denkens über die eigene Person – Wünsche, Träume, Hoffnungen, innere Glaubenssätze und Überzeugungen – gelangt. Ich kann diese Reise nur empfehlen, wenngleich ich nicht gedacht hätte, wieviel Überwindung es kostet, sich selbst kennenzulernen. Ich denke, dass ich heute eine neue Beziehung oder das Kennenlernen eines potentiellen neuen Partners doch anders erleben werde, als das noch vor einem Jahr der Fall gewesen ist. Die Perspektive hat sich deutlich erweitert und das Mehr an Verständnis für mich selbst hat mich gelehrt, dass die Unabhängigkeit einer anderen Person genauso schützenswert und wichtig ist, wie die meinige. Positiv für mich waren vor allem die Reisen, die ich im letzten Jahr erleben dürfte. Eigenständigkeit bedeutet unter anderem auch, Entscheidungen zu treffen, für die man die alleinige Verantwortung übernimmt. Ich habe in der Vergangenheit immer behauptet, ich könne keine Entscheidungen treffen. Heute weiß ich, das war glatt gelogen. Ich wollte keine Entscheidungen treffen. Auf meiner „Lebens-to-do-Liste“ aus dem ersten Blogeintrag steht, dass ich keine Angst mehr haben möchte. Diese Formulierung ist sehr allgemein gehalten, aber ich kann mit Stolz sagen, dass es gelungen ist, einige Ängste, die vielleicht auch mehr Unsicherheiten gewesen sind, abzuschütteln. Sich selbst zu zeigen, was man kann, ist wesentlich schwerer, als anderen Menschen zu zeigen, was sie leisten können. Heute kann ich mich auch in meine Schüler besser hineinversetzen, wenn sie an sich selbst zweifeln und kein Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten besitzen. Ich war der Auffassung, wie die meisten Erwachsenen, dass einfach nur ein guter Zuspruch nötig ist und ein wenig Motivation und dann läuft schon alles. Jetzt weiß ich, dass man gegen falsche innere Überzeugung nur mit viel Arbeit und Durchhaltevermögen und Zuversicht angehen kann und dass es eben Zeit braucht, bis man die eigene Wahrnehmung dauerhaft verändern kann.

Wieder in der Rolle des Schülers zu sein ist nicht immer leicht und angenehm, aber eröffnet die Möglichkeit, die Veränderbarkeit der Welt und die eigene Weiterentwicklung wirklich zu spüren und darauf zu vertrauen, dass neue Ziele erreicht und die eigenen Wünsche und Träume verwirklicht werden können.

Danke altes Alter Ego für deine Zuversicht!

Von der Leichtigkeit des Seins

Du siehst das Licht der Welt in seinem hellen Schein,

wenn Menschen dir begegnen in ihrem vollen Sein

fernab von jedem Trug und jeder List

bahnen Wahrheit und Beständigkeit

sich ihren Weg zur Herrlichkeit –

bis hin zum Inneren der Seele, die niemals ganz vergisst,

was war und wie es hätte sein können,

in einem Leben brennender Leichtigkeit des Seins.