Ein Hoch auf uns, auf unsere Fantasie!

Leere, überall wo ich hinfühle ist nur der Platz, kahl und rau und ungefüllt. Ausgebrannt nennt man das heutzutage. Ich bin müde, ganz simpel und kann kaum die Gedanken greifen. Den Grund für diesen Zustand kenne ich auch:

Ich habe so viele Gedanken in die Abstellkammer gesperrt, damit sie mich nicht überrumpeln und mit ihrer Wucht, wenn ich sie denn frei ließe, erdrücken. Es hat sich etwas in mit freigesetzt und ich habe die Kontrolle verloren.

Obwohl ich vor langer Zeit wohl gewusst habe, wie man mit Fantasie umgeht, ist sie nun, da ich ihr Platz geschaffen haben, allgegenwärtig. Genau darum habe ich sie eingesperrt. Denn ansonsten erwischt sie mich mitten im Satz, schlägt quer durch alle feinen Gedanken und lässt mich zusammenzucken oder bricht sich bahn zwischen all der gut gepflegten Rationalität und Vernunft. Dann muss ich kichern und stelle mir vor, wie die Menschen um mich herum reagieren würden, wenn ich sie unmittelbar teilhaben ließe, einfach sagen würde, was mir gerade buntes durch den Kopf hüpft. Wie ich gerne antworten würde auf ihre Fragen, es aber tunlichst unterlasse, weil mich mein Umfeld dann vermutlich für unzurechnungsfähig halten würde.

So als ob plötzlich Pipi Langstrumpf aus mir sprechen würden und links und rechts von meinem Kopf ein Zopf baumeln würde. Der Schimmel würde auf mich warten, ich hätte Kniestrümpfe an und würde einfach losreiten, vorbei an hupenden Autos, die ich mit Blumen bewerfen würde, während ich mein Lied pfeife. Mein Flickenkleid würde die Blicke auf sich ziehen, Passanten würden empört den Kopf schütteln und mit einen Vogel zeigen.

Vielleicht hätte ich auch einen Piratenhut aufgesetzt und würde eine Augenklappe tragen, die mein rechtes Auge ziert, würde der Welt verraten, dass ich gefährlich bin, weil ich mich auf eine abenteuerliche Reise begebe und nicht weiß, ob ich als dieselbe zurückkehren werde. Mein Mut würde mir vorauseilen und den Weg frei machen. Mir würden neue Menschen begegnen, die Geschichten erzählen, die mich und meine Freunde zum lachen bringen. Alle hätten Kostüme an, würden tanzen, feiern und lachen.

Niemanden würde es stören, dass sich auf den Straßen eine Parade ihren Weg mit lauter Musik bahnt und schunkelnde Menschentrauben ihren Wegesrand säumen.

Wer weiß, so fantastisch können Ideen sein, die einmal entfesselt und frei entfaltet wachsen. Und manchmal sind sie ansteckend und motivierend und das Feuer greift über und aus dem bloßen Hirngespinst wird pure Lebensfreude und eine Tradition, die uns daran erinnert, dass wir alle Kinder waren und es auf bestimmte Weise immer bleiben werden, wenn wir Routinen und Professionalität aussperren und stattdessen feiern und lachen und tanzen und einfach glücklich sind.

Eine wunderschöne Karnevalszeit allen Jecken da draußen!

Tinder, tanzen und der Kater danach

Mit Kater, das sei vorab erwähnt, ist in diesem Zusammenhang nicht der verhasste Kater nach einem feucht fröhlichen Abend gemeint. Vielmehr ist es ein Gefühl der Erschöpfung, das einsetzt, wenn viele neue Eindrücke, Geschichten und Persönlichkeiten auf die Bildfläche treten und man nicht weiß, welchen Gefühlen man sich hingeben, welcher Wahrnehmung man trauen kann und was eher an Einbildung grenzt.

Von der Bildfläche verschwinden können Männer ja bekanntlicher Weise sehr gut und sehr schnell. Ich habe diese Erfahrung, ganz ernsthaft, bis jetzt noch nicht machen dürfen, die Männer, die bis jetzt in mein Leben getreten sind, wollten alle samt nicht mehr gehen… bis ich sie bat, die Bühne zu verlassen. Häufig, weil ich mich in meiner Rolle nicht mehr wohl gefühlt habe, oder aber die Zeit zu große Veränderungen mit sich gebracht hat. Es ist traurig, dass ich so viele tolle Menschen, mit denen ich eine Zeit lang gemeinsam auftreten dürfte, nicht in meinem Leben halten konnte. Spricht nicht gerade für mich, weiß ich auch. Umso ernüchternder ist jetzt die Erfahrung für mich, nicht mehr direkt den Glücksgriff getätigt zu haben, sondern im sprichwörtlichen Sinne in Scheiße schwimmen lernen zu müssen. Die Alternative würde bedeuten, endlich zu lernen, alleine, nur mit mir selbst zufrieden zu sein…für meine Begriffe immer noch eine Sackgasse.

Was ich mir von meiner krampfhaften Suche gerade verspreche, weiß ich selbst nicht genau. Anerkennung? Noch mehr Selbstbewusstsein? Etwas fürs Ego tun? Mehr Selbstwertgefühl? Ich habe leider keine Ahnung. Über Tinder habe ich als dauerhaft Vergebene immer nur müde gelächelt, unfassbare Geschichten mit Freunden geteilt und diese App liebevoll als Inkarnation menschlicher, triebhafter Abgründe bezeichnet. Jetzt bin ich selbst Opfer geworden. Ich finde es immer noch völlig absurd, Teil dieser abartigen Fleischbeschau zu sein, wohlwissend, dass das Spiel durchaus seinen Reiz hat. Ich habe mich immer gefragt, was das für Typen, egal ob Mann oder Frau, sind, die diese Art von Dating-Plattform nutzen. Da ich nun selbst zu diesem elitären Kreis gehöre, fällt es mir zunehmend schwerer, eine Klassifizierung vorzunehmen.

Was ich aber jetzt weiß, ist, wie es sich anfühlt, große Erwartungen zu haben, Angst davor zu haben, den Erwartungen nicht zu entsprechen und richtig rücksichtslos zurückgelassen zu werden. Wie gut lernt man einen Menschen beim ersten Date kennen? Wie aussagekräftig ist die Schreiberei in social media Apps, wie weit darf Selbstdarstellung gehen? Welche Ansprüche darf man an Menschen stellen, die man kaum kennt? Was darf man erwarten? Es bleiben heute mehr Fragen als Antworten. Ich bin wirklich selbstbewusst und offen, aber vielleicht einfach zu alt oder zu spießig oder zu befangen für die Dating-Welt 2.0? Keinen Plan.

Vielleicht könnt ihr mir weiterhelfen.

Es ist vielleicht Zeit, sich in Geduld zu üben. Wieder Menschen im realen Leben zu treffen oder einfach nur Tanzen zu gehen. Mache ich eh am liebsten.