Mut

Alles im Leben beginnt mit Mut. In die Welt zu gehen, jeden Tag, und das Beste aus sich und dem Leben zu machen, für andere Menschen da zu sein, das Leben zu genießen, stark für sich und Andere zu sein, Erfahrungen zu machen, Veränderungen zuzulassen und herbeizuführen und dem Schicksal die Stirn zu bieten.

Was letztlich aber am meisten Mut fordert, ist die Liebe. Denn die Liebe ist kein Spiel ohne Gewinner. Sie das wertvollste Geschenk, das uns Gott oder das Universum macht. Sie ist die Kraft, die alles bewegt, alles verändert und gleichzeitig alles zusammenhält. Einen Menschen zu lieben, bedeutet alles ertragen zu wollen, alles in Kauf zu nehmen, jedes Gefühl und offen zu sein für das Leben und gegenüber allem, was das Leben für uns bereithält.

Liebe bedeutet leben. Und da das Leben kein Spiel ist, braucht es auch keine Verlierer und Gewinner. Nur Menschen, die mutig sind, Mensch zu sein und zu lieben.

Wie werd ich ihn los in 10 Tagen?

Was macht Mann respektive Frau, wenn es Sonntagmorgen 06:30 Uhr ist, man dementsprechend tief und fest schlafen und sich auf ein ausgedehntes Frühstück freuen sollte? Richtig, einen detox Tee kochen, leise durch die Wohnung schleichen und sich überlegen, wie man aus dem Schlamassel herauskommt, der nebenan selig im eigenen Schlafzimmer schläft und schnarcht. Ich komme mir gerade vor wie Carrie Bradshaw und habe sicherheitshalber im Fenster nebenan Spiegel online geöffnet, damit ich schnellstmöglich switchen kann, falls sich etwas im Nebenzimmer regen sollte. Eine Kolumne über das Beziehungs- und Lifestyle-Leben in New York zu schreiben, hat sicherlich seinen Charme und ich würde niemals leugnen, dass wir nicht alle, die wir heute zwischen 30 und 40 Jahre alt sind, viel von Carrie und Co. gelernt haben, aber dennoch komme ich mir gerade vor wie im falschen Film.

Das Ganze fing eigentlich recht harmlos vor zwei Monaten während eines Abendessens bei einer guten Freundin an. Ich war gerade aus Irland zurückgekommen, voller Energie und Tatendrang und beseelt von vielen imposanten Eindrücken und dem Gefühl der Unabhängigkeit, nachdem ich ein kleines Road Trip-Abendteuer auf der grünen Insel erleben dürfte. Die Zeit alleine hatte viel Raum für das Kreisen der Gedanken gelassen und ich konnte Prioritäten setzen und im Geiste Pläne schmieden, was mir ein enormes Gefühl der Befriedigung verschafft hat. Dass ich an diesem besagten Abend jemanden kennenlernen könnte, ist mir nicht im entferntesten in den Sinn gekommen und gehörte auch mit Nichten zu meinen Plänen, was so unglaublich typisch für mich ist. Drei Wochen und drei Dates später fand ich mich dann in der Wohnungen des schlafenden Gastes mit der Frage konfrontiert, was ich eigentlich von Freundschaft plus halten würde. Nicht wirklich viel um ehrlich zu sein, wobei ich mir damals sicher war, dass kein Zwang bestünde, dem Kind einen Namen zu verleihen. Der Ansicht bin ich auch immer noch, jeder Sache ein Etikett zu verleihen ist auch nicht immer zuträglich, keine Frage. Die Erfahrung, die ich bis dato noch nicht machen dürfte, ist allerdings eine wahre Herausforderung, nämlich sich näher mit einem Menschen auseinanderzusetzen, der mitten in einer dicken fetten Midlifecrisis steckt. Das Ergebnis? 39, Herzchirurg, Heirats- und Kinderwunsch und Bindungsängste. Seitdem stecke ich zwischen diesem ganzen Wirrwarr und habe gerade das Bedürfnis die Zeit zurückzudrehen und alles auf Anfang zu setzen. Ich kann dieses Paket im Moment so gar nicht gebrauchen. Etwas unbeschwertes, unkompliziertes wäre nett gewesen und vermutlich auch das, was ich brauchen könnte. Stattdessen scheint es eine Art Aufgabe zu sein, die mir das Schicksal auferlegt hat, auf Menschen zu treffen, die ein beachtliches Päckchen mit sich herumtragen und auch keinen Hehl daraus machen. Fast schon unverschämt offen und direkt sehe ich mich konfrontiert mit diffusen Frauengeschichten, gescheiterten Beziehungsversuchen und unsteten Pläne eines attraktiven Mannes, der gerade dabei ist, sein Leben neu zu ordnen und mehr Baustellen als Land unter den Füßen hat. Ich kenne dieses Gefühl zwar selbst mehr als gut, aber ich haue keinen beinahe fremden Menschen alle meine Probleme nonstop um die Ohren. Zwischenzeitlich komme ich mir vor wie Kate Hudson, die Matthew McConaughey verzweifelt versucht loszuwerden und andersherum.

Natürlich könnte ich einfach einen Schlussstrich ziehen, mich nicht mehr melden, sogar ohne eine tiefgreifende Erklärung abzugeben, aber mein Helferkomplex lässt das nicht ohne weiteres zu. Eine kleine Vertrauensbasis ist ebenfalls bereits geschaffen, sodass ich mich schon wieder in eine Geschichte verstrickt sehe, von der ich jetzt schon weiß, dass sie kein gutes Ende nehmen wird. Es ist zudem äußerst erschreckend, dass meine und die Erfahrungen meines näheren Umfeldes die Vermutung nahe legen, dass an der Generation Beziehungsunfähig doch etwas wahres dran sein könnte. Ich frage mich nur, warum uns alle der Mut verlassen hat, sich auf etwas einzulassen. Sind wir alle zu oft und zu tief verletzt worden? Wollen wir uns nicht binden, weil wir glauben oder hoffen, etwas noch besseres zu finden? Sind wir auf der Suche nach dem einen Seelenverwandten oder ist es schlicht das schier unerschöpfliche Angebot, das uns zweifeln und unverbindlich werden lässt?

Für meinen Teil weiß ich sicher, dass ich nicht die treibende Kraft in diesem speziellen Fall sein werde, die zuversichtlich und initiativ die Werbetrommeln für eine gemeinsame Zukunft rühren wird. Ich wünsche mir, dass diesen Job der Mann übernimmt. Nicht, weil ich keine Verantwortung übernehmen möchte oder keinen Mut aufbringen kann, sondern weil ich mir erhoffe, dass es dort draußen noch Männer gibt, die sich entscheiden können, die keine Angst haben, etwas zu verpassen und die den Wert erkennen, der sich hinter meinem Vertrauen, meiner Ehrlichkeit und meiner Ernsthaftigkeit verbirgt.

Ich kann nicht jeden retten, eine Lektion, die ich in den letzten Monaten auf bittere Weise lernen musste. Auch wenn ich vielleicht nicht selbst gerettet werden muss, möchte ich doch von einem Mann vollen Einsatz erleben und mir sicher sein, dass er mit Zuversicht und allen guten Vorsätzen in die Zukunft schaut und sich ohne zu zögern für mich entscheidet.

Jetzt müsste ich nur noch den Hintern hoch bekommen und all das meinem schlafenden Gast verständlich machen. Er wird dann vermutlich entscheiden, ob er beim nächsten Besuch eine Zahnbürste mitbringt oder aber das Weite sucht ;).

 

Zur Feier des Tages!

Irgendwie hatte ich es im Gefühl, der Drang hat heute ganz leise angeklopft, wieder einmal einen Blogeintrag zu schreiben und siehe da, WordPress gratuliert mir just an diesem 26.07.2017 zum einjährigen Jubiläum und ich musste gerade über beide Wangen grinsen. Was ich mir vor einem Jahr von dem Schreiben eines Blogs erhofft habe, weiß ich gar nicht mehr genau, aber an das Gefühl von damals, kann ich mich sehr gut erinnern. Ich wollte einiges aus meinem tiefsten Inneren loswerden und hätte ich dies nicht in Form des ersten Blogeintrages getan, hätte ich mich wahrscheinlich aus dem Fenster gelehnt oder auf den Balkon gestellt und alles, was mich bedrückt und tief verunsichert hat, lauthals herausgeschrien. So jedenfalls hat sich die Last angefühlt, die sich auf mein Herz, meinen Geist und meine Seele gelegt hatte und der Berg aus Ängsten, Hoffnungen, Unsicherheiten und der Perspektivlosigkeit schien mir schier erdrückend, sodass mir buchstäblich die Luft zum Atmen gefehlt hat.

Sicher habe ich mir damals vorgestellt und vorgenommen, dass ich regelmäßiger bloggen würde und gehofft, dass ich mir Zeit nehme und die Muße finde, alle meine wirren Gedanken in Worte zu fassen. Das Ergebnis sieht in Zahlen nicht wahnsinnig beeindruckend aus. Dafür habe ich allerdings heute die Gewissheit, dass ich mit diesem Blog einen Weg gefunden habe, die Dinge, die mich stetig beschäftigen und in mir rumoren, auf einen Weg zu schicken, weit in die Welt hinaus und gleichzeitig durch die Gestaltung der Gedanken in meinen eigenen Worten, diese leichter werden zu lassen und klarere Struktur zu sehen, die  für mich in meinen Kopf greifbarer werden und ich kann besser mit ihnen arbeiten, nehme mich und mein Leben deutlich wahr, sprich, ich bin achtsamer mir selbst gegenüber geworden und das Ergebnis kann sich wahrlich sehen lassen.

Zuweilen fällt es mir noch schwer, erlernte und geliebte Verhaltensweisen und Muster loszulassen, mich von den ungeliebten Marotten zu trennen und so intensiv und beständig an mit zu arbeiten, dass sich eine dauerhafte Veränderung einstellt. Der Weg, der vor mir liegt, ist nach wie vor lang, aber ich sehe diesen Weg heute nicht mehr nur als Aufgabe, die ich bewältigen muss, sondern vor allem als Chance, die mir geben wird, um mich jeden Tag neu zu fragen, was heute wichtig ist und welche Prioritäten ich setzen möchte.

Ich liebe die Metapher vom Weg des Lebens, der über Stolpersteine und durch tiefe Täler führt, auf dem wir von Freunden begleitet, gezogen und geschupst werden oder aber überrannt werden von sportlicheren oder einfach rücksichtlosen Läufern, die unseren Weg und unser Leben streifen. Gelernt habe ich, dass es aber nicht nur auf die Beschaffenheit des Weges ankommt, sondern auch darauf, wie gut wir vorbereitet sind, unserer Wege zu gehen. Wir können uns ausrüsten, vor schlechtem Wetter schützen und die Karte studieren. Wir können Streckenabschnitte mit dem Bus bewältigen, Pause machen oder aber uns ins Flugzeug setzen und am anderen Ende der Welt einen neuen Weg beginnen. Wie wir das machen? Wir lernen Menschen kennen, die uns inspirieren, indem sie uns ihre Geschichte erzählen und uns neue Wege aufzeichnen, wir sammeln Erfahrungen und setzen diese um, indem wir Entscheidungen bedachter fällen, die Perspektive wechseln, mehr Sicherheit gewinnen, wenn wir uns fragen, was uns im Leben, im Alltag und für die Zukunft wichtig ist. Wir lernen auch zu erkennen, wer uns helfen kann, Herausforderungen zu bestehen und wer uns eher ausbremst und uns so zum Stillstand überredet oder sogar zwingt. Wir wissen, dass wir mit jeder Etappe, die wir hinter uns bringen, mutiger werden, mehr Selbstvertrauen gewinnen und über uns hinauswachsen. Und, was vielleicht am wichtigsten ist, wir wissen, dass jede Pause, die wir einlegen, uns nicht vom Erfolg trennt, sondern uns dem Ziel ein Stück näherbringt.

Auf welche Weise ich meinen eigenen Weg gehen möchte, variiert jeden Tag. Mal möchte ich (noch) gesünder leben, mehr Sport machen und das Maximum in meine Gesundheit investieren. An anderen Tagen holen mich erlernte und teilweise auch heißgeliebte Verhaltensweisen ein, die mich von meinen Vorsätzen trennen. Dann esse ich Pommes, ein Eis, eine Packung gesalzene Nüsse und abends auf der Couch noch eine Tüte Chips, habe Magenkrämpfe und ein schlechtes Gewissen, aber den Heißhunger befriedigen zu können, erzeugt ja irgendwie auch ein Glückgefühl und dann frage ich mich, ob ich jemals gänzlich gesund leben können werde und hadere mit meiner Unachtsamkeit und meiner mangelnden Disziplin. Auch das Rauchen ist nach wie vor ein ständiger Begleiter, den ich noch nicht bereit bin, ziehen zu lassen usw. usw. usw. …

Wie kostbar Zeit ist, in der ich aktiv werden kann und Wege beschreiten kann, die mir neue Eindrücke schenke, habe ich verstanden und nutze sie deshalb bewusster als zuvor.

Ängste und Unsicherheit sind ebenfalls unliebsame Zeitgenossen, die immer wieder meine Wege kreuzen und denen ich mich nach wie vor ausgeliefert fühle, die ich aber mittlerweile erkenne und deshalb mit ihnen bewusst arbeiten kann und mich ihnen innerlich entgegenstellen kann.

Das letzte und allumfassendste Thema bleibt natürlich die Liebe. Männer kreuzen meinen Weg nach wie vor und nehmen für meinen Geschmack, also nach altem Muster, immer noch einen zu großen Bestandteil meines Denkens ein, bei aller Freiheit, die mir das Singleleben bietet, schaffe ich es trotzdem, mir unnötiger Weise schlechte Gefühle ans Bein zu binden, weil sich der Typ nicht oft genug meldet oder nicht den Mut besitzt, sich über die eigenen Gefühle im Klaren zu werden und offen zu kommunizieren, was er möchte. Noch nicht oft genug bin ich in der Lage mir darüber Gedanken zu machen, was ich möchte, unabhängig von meinem Gegenüber und Verantwortlichkeiten abzustreifen, die keine sind, wenn das Gegenüber sich nicht verantwortlich zeigt.

Es wird leichter mit der Zeit, alleine zu sein und ich erkenne, wie schön die Welt um mich herum ist und welcher Luxus mit dem Umstand verbunden ist, diese schöne Welt nur durch meine Augen zu betrachten.

Das ist der Zwischenstand der spannenden Reise zu mir selbst, ich bin gespannt, wie es weitergeht.

 

Der lange Weg in die Gegenwart

Kennt ihr das auch? Immer wieder nimmt man sich so viele Dinge vor, hat tausend Gedanken im Kopf, viele gute Eingebungen und verspürt einen unbändigen Tatendrang in alle mögliche Richtungen, aber man findet keinen Anfang? Statt sich der Dinge nacheinander anzunehmen, verharrt man in Tatenlosigkeit und ertappt sich auf dem Sofa sitzend ins Nichts starrend und gibt sich seiner zahlreichen Tagträume hin, anstatt aufzustehen und raus in die Welt zu gehen…

Es ist schon eine ganze Weile her, dass ich einen Blogeintrag geschrieben habe. Ich habe so oft die Lust verspürt, hätte so vieles zu sagen und zu erzählen gehabt, weil sich einige erfreuliche und aufregende Dinge getan haben und ich viel erlebt habe, aber ich habe Mal wieder keinen Anfang gefunden. Gerade habe ich einen flüchtigen Blick auf meinen Kühlschrank geworfen, der mit Postkarten, Einladungen, Eintrittskarten und allerlei Magneten plakatiert ist, und mein Blick ist dabei auf einem Brief haften geblieben. Diesen Brief habe ich ziemlich genau vor einem Jahr an mich selbst geschrieben und ihn dann mit 20 weiteren Briefen in eine Schublade gesteckt…Ihr fragt euch jetzt sicher, welchen Plan ich damit verfolgt habe… Ich kann euch beruhigen, gar keinen. Zumindest keinen Plan für mich. Mein Leistungskurs macht gerade Abitur und ich habe die Schüler vor einem Jahr gebeten einen Brief an ihr zukünftiges Ich zu schreiben, das kurz vor den Abiturklausuren steht. Dies haben die Schüler mit großer Begeisterung gemacht und ich scheinbar damals auch. Als ich diese Briefe vor drei Wochen aus der Schublade gekramt habe, habe ich nicht schlecht gestaunt, als mir mein eigener Brief wieder in die Hände gefallen ist. Ich hatte tatsächlich vergessen, dass ich ebenfalls einen Brief verfasst hatte. Erstaunt war ich vor allem darüber, dass ich scheinbar intuitiv gewusst haben muss, wie es mir heute gehen wird, denn ich habe mir selbst einige sehr passende und weise Worte mit auf den Weg gegeben. Natürlich steckt auch einige Ironie zwischen den Zeilen, aber der grundsätzliche Ton trifft dennoch den gegenwärtigen Gefühlszustand. Ich wusste genau, dass eine Zeit der Veränderung vor mir liegt, als ich mir damals schrieb, dass ich hoffen würde, heute die Konturen meiner Zukunft und der mit ihr verbundenen Träume, Wünsche und Hoffnungen etwas klarer sehen zu können, als zum Zeitpunkt des Verfassens des Briefes. Ich habe nicht schlecht gestaunt, als ich las, dass ich eines nicht vergessen solle:

„Ich wünsche mir, glücklich und zufrieden zu sein, Ich selbst zu sein und frei zu sein. Freiheit ist das höchste Gut. Bewahre dir diesen Vorsatz, weiche nicht ab von diesem Weg, der vor dir liegt. Glaube an die Zukunft, vertraue darauf, dass alles gut wird!“

Vergessen werde ich die Bedeutung der Freiheit sicher nie, aber vielleicht ist dieser Gedanke, ist dieser privilegierte Zustand, nicht immer präsent, dringt nicht immer bis an die Bewusstseinsschwelle. In Zeiten wie diesen ist es kaum möglich, den Wert der Freiheit zu wenig zu betonen. Ich habe sogar das Gefühl, dass wir uns dessen trotz Wohlstandsgesellschaftsdenken langsam aber sicher alle immer bewusster werden, denn die Freiheit ist bedroht und das spüren wir. Ich war sehr stolz am letzten Wochenende, als ich beobachte konnten, mit wieviel Hingabe und friedliebenden Enthusiasmus die Kölner für die Bewahrung von Vielfalt, Offenheit und Toleranz auf die Straße gezogen sind, um zu singen und zu tanzen und das Leben zu feiern, das wir in einer Demokratie leben dürfen.

Freiheit bedeutet aber auch gedanklich frei zu sein. Dies ist es auch, was ich vor einem Jahr gemeint habe, als ich mir den obenstehenden Rat gegeben habe. Auch dieser Zustand birgt wichtige Güter. Nämlich die Eigenständigkeit und die Unabhängigkeit. Unabhängig zu werden ist vielleicht gar nicht das Schwerste. Ich habe im vergangen Jahr festgestellt, dass es zumindest für mich schwieriger gewesen ist, unabhängig zu sein. Ich hätte nicht gedacht, dass es einer so langen Zeit voller kritischer Gedanken bedarf, bis ich mich auch innerlich mit diesem Zustand wohl fühle und wieder im reinen mit mir  bin. Ich habe lange Zeit meiner letzten Beziehungen hinterhergetrauert, der ich aus freiem Willen und aus tiefster Überzeugung ein Ende gesetzt hatte. Doch prompt war ich frei und unabhängig, hat mein inneres Kind angefangen zu rebellieren, mich zu beschimpfen, mein Selbstwertgefühl mit Kritik und Zweifeln zu überhäufen und mich in ein verdammt unwägbares Tal zu schupsen, aus dessen Sumpf sich heraus zu kämpfen, so verdammt harte Arbeit war. Dankbar dafür bin ich heute auch nur bedingt, was aber nicht bedeutet, dass ich nicht einige Lektionen habe lernen können, die mich auf die Zukunft mit mir selbst vorbereitet haben. Dass ich jetzt endlich in dieser Zukunft angekommen bin, ist zumindest für mich ein erhebendes Gefühl. Ich wusste schon immer, dass ich ein Beziehungsmensch bin und ich sehr gut in Beziehungen funktioniere, weil ich mich gut auf andere Menschen einstellen kann. Es hat bis hier her gedauert zu lernen, auch alleine wieder ich selbst zu sein, nur eben eine andere Facette von mir selbst, die ich erst (wieder-)entdecken musste. Die spannende Reise zum eigenen Ich ist wahrscheinlich nie ganz abgeschlossen. An sich zu arbeiten und sich weiterzuentwickeln gehört zu dem universalen Bedürfnis des Menschen zu Lernen dazu, keine Frage. Obwohl man sich selbst so nahesteht, nimmt es doch einige Reflexionsrunden und hermeneutische Zirkel in Anspruch, bis man überhaupt auch nur in die Nähe des existentiellen Denkens über die eigene Person – Wünsche, Träume, Hoffnungen, innere Glaubenssätze und Überzeugungen – gelangt. Ich kann diese Reise nur empfehlen, wenngleich ich nicht gedacht hätte, wieviel Überwindung es kostet, sich selbst kennenzulernen. Ich denke, dass ich heute eine neue Beziehung oder das Kennenlernen eines potentiellen neuen Partners doch anders erleben werde, als das noch vor einem Jahr der Fall gewesen ist. Die Perspektive hat sich deutlich erweitert und das Mehr an Verständnis für mich selbst hat mich gelehrt, dass die Unabhängigkeit einer anderen Person genauso schützenswert und wichtig ist, wie die meinige. Positiv für mich waren vor allem die Reisen, die ich im letzten Jahr erleben dürfte. Eigenständigkeit bedeutet unter anderem auch, Entscheidungen zu treffen, für die man die alleinige Verantwortung übernimmt. Ich habe in der Vergangenheit immer behauptet, ich könne keine Entscheidungen treffen. Heute weiß ich, das war glatt gelogen. Ich wollte keine Entscheidungen treffen. Auf meiner „Lebens-to-do-Liste“ aus dem ersten Blogeintrag steht, dass ich keine Angst mehr haben möchte. Diese Formulierung ist sehr allgemein gehalten, aber ich kann mit Stolz sagen, dass es gelungen ist, einige Ängste, die vielleicht auch mehr Unsicherheiten gewesen sind, abzuschütteln. Sich selbst zu zeigen, was man kann, ist wesentlich schwerer, als anderen Menschen zu zeigen, was sie leisten können. Heute kann ich mich auch in meine Schüler besser hineinversetzen, wenn sie an sich selbst zweifeln und kein Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten besitzen. Ich war der Auffassung, wie die meisten Erwachsenen, dass einfach nur ein guter Zuspruch nötig ist und ein wenig Motivation und dann läuft schon alles. Jetzt weiß ich, dass man gegen falsche innere Überzeugung nur mit viel Arbeit und Durchhaltevermögen und Zuversicht angehen kann und dass es eben Zeit braucht, bis man die eigene Wahrnehmung dauerhaft verändern kann.

Wieder in der Rolle des Schülers zu sein ist nicht immer leicht und angenehm, aber eröffnet die Möglichkeit, die Veränderbarkeit der Welt und die eigene Weiterentwicklung wirklich zu spüren und darauf zu vertrauen, dass neue Ziele erreicht und die eigenen Wünsche und Träume verwirklicht werden können.

Danke altes Alter Ego für deine Zuversicht!

Vergebung

Eine schwere Lektion und dennoch so wichtig, um die Seele und das Herz zu erleichtern. Sicher fällt es am schwersten sich selbst du vergeben. Heute möchte ich den Versuch unternehmen, mir für eine der größten Nachlässigkeit zu vergeben. Der Unverantwortlichkeit mir selbst gegenüber.

Sinnsuche funktioniert nicht nach dem Prinzip der analytischen Selbstreflexion. Ich bin dem Trugschluss erlegen, dass ich die Antworten auf meine Frage erhalte, weil ich die Fragen stelle. Dies ist allerdings gar nicht der Fall. Kennt ihr das Sprichwort, dass es gar nicht so sehr auf die Antwort ankommt, sondern vielmehr auf die Frage? Und man darf nicht schummeln, indem man die Frage zur gesuchten Antwort macht. Ich wollte wissen, wer ich bin und wer ich sein kann. Erfahren habe ich, was ich für mich nicht bin. Das ist wohl Ironie des Schicksals oder aber des Universums. Ich habe gelernt, dass ich mir nicht genug Bedeutung zugeschrieben habe, um mich und meine Bedürfnisse und meine Träume, Hoffnungen und Wünsche, die mich seit so vielen Jahren begleiten, wirklich ernst und für wahrhaft zu nehmen. Immerzu habe ich meine Ziele mit Luftschlössern gleichgesetzt, mich belehren lassen, indem ich geglaubt habe, wenn die Menschen mir gesagt haben, ich sei nicht standhaft, sondern sprunghaft und deshalb seien meine Träume nicht von Dauer, es sei verschmerzbar, wenn ich meine Träume jetzt nicht verwirklichen könne und ich solle prüfen, ob es sich um Hirngespinste handele oder sich meine Wünsche und Hoffnungen in Schall und Rauch auflösen, wenn ich eine Zeit lang abwarte. Ich habe mich ausbremsen lassen, durch die scheinbare Vernunft, den Verstand, der über Herz und Herzensangelegenheiten obsiegt. Ich habe nicht auf meine Intuition gehört, sondern den Erwartungen meiner Mitmenschen und dem guten Ton sowie der Konvention entsprochen.

Heute weiß ich, dass ich mir in den vergangenen Jahren auf den unterschiedlichsten Ebenen und den verschiedensten Lebensbereichen mehr Wert hätte sein sollen. Ich hätte mich nicht von mir selbst wegtreiben lassen dürfen durch das Urteil anderer, die stellvertretend für mich, sicher mit guten Absichten, für mich entschieden haben, was das Beste ist und woran ich festhalten und wofür ich kämpfen soll. Ich gebe gerne Entscheidungen ab, weil ich immer gedacht habe, ich würde mich schwer damit tun Entscheidungen zu treffen, weil die Konsequenzen unabsehbar sind und ich nicht bereit bin, diese in Verantwortung zu tragen.

Dieses mentale Konzept entspricht aber nicht der Realität, denn Realität ist nicht objektiv und unverrückbar. Ich kann einen großen Teil konstruieren und auf mich und meine Bedürfnisse abstimmen, kreativ werden und mein Leben gestalten.

Es war eine große Überraschung für mich festzustellen, dass ich sehr wohl in der Lage bin, Entscheidungen mit einem guten Gefühl zu fällen. Ich bin mir selbst verpflichtet, Verantwortung für mein Leben zu übernehmen und achtsam zu sein. Ich habe mich selbst vernachlässigt und das Leben und die Träume Anderer gelebt, die ich liebe und geliebt habe und die ich auf diese Weise glücklich machen wollte. Jetzt ist es an der Zeit mich selbst glücklich zu machen und zu lieben, aufrichtig, irgendwann.

Von kleinen Prinzen und großen Träumen

Wie weit ist es eigentlich gekommen, wenn 5 Euro während des Toilettengangs aus Versehens ins Klo fallen und ich mir währenddessen Gedanken darüber mache, dass es sich bei diesem Versehen vermutlich um Umweltverschmutzung handelt, die ich ansonsten tunlichst versuche zu vermeiden?

Wieviel Wert 5 Euro für mich und andere Menschen auf der Welt besitzen, soll allerdings hier kein Thema sein. Es geht eher um die Symptomatik. Es geht darum, wie entrückt Gedankengänge sein können. Wie sich die Perspektive auf die Dinge ändert, wenn man sich monatelang viele Stunden am Tag Gedanken um existentielle Fragen des Lebens gemacht hat.

Wer bin ich? Was möchte ich im Leben erreichen? Wie sieht mich meine Umwelt? Wie groß ist die Diskrepanz zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung? Wie kann ich das Beste aus mir herausholen? Welche Rolle spielen alte und neue Freunde in meinem Leben? Ist es zu viel verlangt, glücklich sein zu wollen oder geht es mir eher um eine innere Zufriedenheit, um Ruhe, Einkehr, Besinnung? Muss ich mich ändern, um Altes hinter mir zu lassen usw.?

Viele von euch haben die Blockeinträge der letzten Monate verfolgt und Anteil genommen an meinem Schicksal, das kein schlechtes ist. Ganz im Gegenteil eigentlich. Geredet habe ich allerdings immer über dasselbe Thema, nämlich die Liebe. Genauer gesagt, über die unerfüllte oder unerwiderte Liebe und den Schmerz, die Hilflosigkeit, das Gefühl des Ausgeliefertseins gegenüber diesem schier übermächtigen Gefühl. Auch das ist symptomatisch. Ich habe verzweifelt nach Erfüllung, Bestätigung, Anerkennung oder was auch immer gesucht. Ich wollte geliebt, gebraucht und geschätzt werden. Warum ist offensichtlich. Zumindest seit kurzer Zeit habe ich einen Erklärungsansatz dafür gefunden. Ich bin scheinbar nicht im Stande gewesen, mich selbst zu sehen. Das ist eine harte Erkenntnis, zumal ich meinen Mitmenschen stetig predige, dass es sich dabei um die Grundvoraussetzung handelt, um andere Menschen lieben zu können. Es war mir scheinbar nicht bewusst, dass ich über das Hin- und Herwenden der vielen Gedanken und der Reflexion mich selbst vergessen habe. Nicht im Sinne von, dass ich mir selbst keine Beachtung geschenkt habe. Ganz im Gegenteil, ich habe in meinem Leben noch nie so viel und so lange und soooooo intensiv über mich und mein Leben nachgedacht. Aber ich habe über die Beleuchtung meiner inneren Verfassung scheinbar vergessen, wer ich eigentlich schon bin. Ich bin hart mit mir ins Gericht gegangen und gleichzeitig in Selbstmitleid versunken. Die letzten Monate gehören mit Sicherheit zu den anstrengendsten, die ich erleben dürfte. Was das zeigt, ist Folgendes: Ich habe in meinem Leben unfassbares Glück gehabt, mir geht es gut und ich muss mich mit verschwindet geringen Problemen auseinandersetzen, wenn ich meine Probleme in eine verhältnismäßige Relation zu Lebensumständen und Schicksalen anderer Menschen setze.

Es war schwer zu erkennen, sich einzugestehen, dass dem so ist. Ich hätte nie gedacht, dass diese naheliegende Erkenntnis so weit entrückt werden könnte, sodass ich alle in meinem Leben vorhandenen und nicht vorhandenen Aspekte der Existenz hinterfragt habe, verzweifelt nach Erklärungsansätzen für scheinbar fehlende Elemente gesucht und mich wahnsinnig versteift und verstellt auf die Suche nach einem Sinn gemacht habe. Ich habe tatsächlich kurz verlernt das Gute zu sehen oder es in den kleinen und großen Dingen zu erkennen. Ich hätte nie gedacht, dass mir das passieren könnte. Wie man sich doch täuschen kann.

Ich habe versucht, mein Leben neu zu definieren, Entscheidungen zu überdenken und Prioritäten neu zu setzen. Begriffen habe ich allerdings nicht, dass es vielleicht sinnvoll wäre auch eine Bilanz dahingehend zu ziehen, was bereits wertvoll in meinem Leben und für mein Leben ist, anstatt ständig über Aspekte zu stolpern, die noch fehlen oder unwiederbringlich verloren sind. Zeit bekommt der Mensch geschenkt, jedoch nur ein einziges Mal. Diese Zeit zu nutzen, zu genießen, dankbar zu sein und Menschen und Erinnerungen wertzuschätzen, sind kleine, aber wichtige Ziele, die ich anstreben möchte. Den Hang zur übermäßigen Selbstreflexion werde ich wohl nie gänzlich abschütteln, aber bestimmt eindämmen können. Die Basis zu akzeptieren, das Grundgerüst meines Charakters und meine Erfahrungen zu respektieren, sind erste Schritte, die es gilt zu machen, um wieder zu mir zurückzufinden. Ich habe die ganze Zeit nach etwas gesucht, ohne zu ahnen, dass es bereits gegeben ist. Sicherlich bin ich nicht perfekt, sicherlich ist mein Leben nicht perfekt. Das ändert aber nichts daran, dass ich mein Leben liebe und die Menschen darin. Das ist nicht bescheiden oder demütig noch reumütig. Es ist eine Tatsache, auf die ich stolz sein sollte und über die es sich zu freuen gilt. Veränderungen werden sich von alleine einstellen, mit der Zeit kommt hoffentlich auch wieder der gute und nicht nur der selbstkritische Rat sowie die Intuition zurück. Ich habe mir vorgenommen, mich locker zu machen.

Die Lebensphilosophie, die der Fuchs dem kleinen Prinzen mit auf den Weg gibt ist diese:

„Man sieht nur mit dem Herzen richtig gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar“.

Ergo: Es lohnt sich, die Weisheit auch auf die Selbstwahrnehmung anzuwenden.

Also liebe …, einen schönen, sonnigen Frühling wünsche ich dir!

Wieder Abschied nehmen

Wie gut es tut, sich richtig zu streiten. Natürlich unter der Prämisse, dass die Basis nicht ins Wanken gerät. Streitkultur ist nicht nur auf globaler Ebene wichtig für die Demokratie und die politische Partizipation sowie die gesellschaftliche Entwicklung, sondern auch auf der persönlichen Ebene. Um auf den berühmten gemeinsamen Nenner zu kommen, ist oftmals eine intensive Auseinandersetzung über persönliche Ansichten, Ängste und Grenzen erforderlich. So sehr ich Harmonie zu schätzen weiß, so wichtig bleibt mir dennoch der ehrliche und aufrichtige Umgang in zwischenmenschlichen Beziehungen, auch wenn das bedeutet, dass zuweilen Funkstille herrscht.

Doch was passiert, wenn keine Partei bereit ist, den eigenen Stolz beiseite zu lassen, um den Kontakt wieder aufzunehmen? Wenn die Situation so prekär oder die Meinungsverschiedenheiten so unüberwindbar scheinen, dass nach dem Sturm keine Einigung erfolgt, keine Annäherung mehr möglich ist?

Noch schlimmer, was passiert, wenn keine Zeit mehr bleibt, um sich wieder zu vertragen? Wenn wir vor die Tatsache gestellt werden, dass der Mensch, mit dem wir keinen Kontakt mehr haben, aus dem Leben gerissen wird?

In meiner Familie hat es diesen Fall gegeben. Und was jetzt bleibt ist nicht nur Fassungslosigkeit und Trauer, sondern auch unbändige Wut darüber, dass man nicht früher gehandelt hat. Jeder Tag hätte der Tag sein können, an dem man zum Telefonhörer greift und den ersten Schritt macht. Natürlich mit einem unguten Gefühl in der Magengegend. Wohlwissend, dass dieser Versuch auch nach hinten losgehen kann und man nichts erntet außer einer Abfuhr oder Schweigen. All dies scheint mir jetzt eine verschwindend geringe Gefahr zu sein im Angesicht der Tatsache, dass ich keine Möglichkeit mehr haben werde zu erfahren, was passiert wäre. Wenn ich mir mehr Zeit genommen hätte zu bemerken, wie viel Zeit vergangen ist, dann müsste ich jetzt nicht damit leben einen lieben Menschen verloren zu haben, dem ich nicht mehr sagen konnte, wie dankbar ich ihm für alles gewesen bin, was er getan und bewirkt hat.

Hätte ich mir nicht nur Zeit genommen, sondern mich ernsthaft mit der Perspektive dieses Menschen auseinandergesetzt, dann hätte ich wohl nicht nur mir Leid erspart, sondern auch meinem Gegenüber, darüber bin ich mir bewusst und mit dieser Schuld muss ich jetzt leben.

„Jetzt ist es zu spät“. Und wieder Mal erhält eine sprachliche Wendung eine erweiterte persönliche Bedeutung für mich. Es ist nun nicht mehr nur zu spät, um noch pünktlich zu kommen oder zu Abend zu essen, sondern es ist gänzlich zu spät. Der Zeitpunkt kommt nie wieder zurück, nicht morgen, nicht nächste Woche und auch nicht nächster Jahr. Ohnmacht ist ein nahezu unerträglicher Zustand. Wenn ich mich nicht so wichtig genommen hätte, dann hätte ich die Macht besessen, etwas zu ändern, präventiv und umsichtig zu handeln. Ich habe eine entscheidende Chance im Leben verpasst. Mal wieder. Dabei war ich der Überzeugung, ich hätte meine egozentrische Seite im Griff. Schade. Sehr schade sogar.

Was bleibt ist in diesem Zusammenhang nicht viel. Es ist nur gerecht, dass ich nun machtlos zurückbleibe. Ich hätte Verantwortung übernehmen können und habe aber die Resignation, den Stolz und die Bequemlichkeit sowie das Vergessen gewählt. Diese Entscheidung fordert nun ihren Tribut. Das hätte ich wissen müssen. Man kann eben scheinbar doch nicht alles in Gänze bedenken und weiterdenken und zu Ende denken. Mensch sein ist nicht leicht.

Liebe ist …

Diese Aussage können wahrscheinlich die Meisten ohne zu zögern vervollständigen. Jeder hat seine Erfahrungen gesammelt und vielleicht beantwortet der Eine oder die Andere diese Frage heute anders, als er oder sie es vor einigen Jahren noch getan hätte, mich eingeschlossen. Liebe hat viele Facetten, Liebe wächst und gedeiht, verändert ihre Gestalt und kann auf ganz unterschiedliche Weise erfahren und gelebt werden. Soweit so gut.

Was sagt es aber über einen Menschen aus, wenn er die Liebe als Spiel ohne Gewinner bezeichnet? Was soll das bedeuten? Versteht mich bitte nicht falsch, die Metapher kann ich durchaus entschlüsseln. Ich finde sie nur so unfassbar unpassend gewählt. Die Liebe mit einem Spiel zu assoziieren ist sicherlich zutreffend. Denn es geht in der Liebe häufig darum, einen hohen Einsatz zu zahlen, Mut zu haben, bereit zu sein, ein Risiko einzugehen, aber wieso geht dieser Mensch, von dem diese Aussage stammt, davon aus, dass es nur Verlierer geben kann. Auch hier kann ich natürlich nachvollziehen, dass sich diese Ansicht vermutlich aufgrund schlechter und trauriger Erfahrungen manifestiert hat. Schon klar. Aber welches Spiel spielt irgend jemand auf dieser Welt, bei dem es nur Verlierer geben kann. Es geht doch gerade darum, den Ehrgeiz zu haben, ein Spiel zu gewinnen. Dabei kann man Strategien entwickeln, Taktiken ausprobieren, trainieren und besser werden. Oder aber man genießt einfach den Mehrwert des Spielens, nämlich Zeit mit Freunden oder der Familie zu verbringen. Auch im Sport treibt die Spieler die Motivation an, über sich hinauszuwachsen, zu gewinnen und Ruhm und Ehre einzuheimsen. Aber: Wenn die Liebe ein Spiel ohne Gewinner sein soll, dann möchte a) keiner mitspielen und b) handelt es sich per Definition um kein Spiel mehr. Es geht dann meines Erachtens nach doch mehr um die Vortäuschung falscher Tatsachen. Dann kleidet man die Liebe in ein Gewand, das ihr nicht passt und nicht steht.

Ich rede mich hier gerade um Kopf und Kragen und das weiß ich auch, aber die Frage am Anfang bleibt die gleiche. Wie kann die Liebe als Spiel ohne Gewinner wahrgenommen werden, wenn sie die existentiellste Kraft auf Erden ist, alles und jeden bewegt und berührt und das schafft, was sonst nichts und niemand bewirken kann. Die Menschen haben Kriege aus Liebe geführt, Städte erobert, Leben gerettet und genommen, betrogen, gelogen, gesiegt. Aber eben aus Liebe und nicht um am Ende als Gewinner dazustehen.

Wenn ihr mich fragt, dann geht es in der Liebe sogar mehr um das Verlieren, als um das Gewinnen. Denn wer liebt, um etwas oder jemanden zu besiegen bzw. zu gewinnen, der hat die Liebe noch nicht erfahren. Für meine Begriffe geht es dann mehr um Sehnsucht oder Begehren, aber nicht um die Liebe. Denn in der Liebe ist man bereit sich zu verlieren, sich hinzugeben, Opfer zu bringen, sich selbst zurückzunehmen, den Anderen gehen zu lassen, loszulassen und Kompromisse einzugehen. Das hat alles wenig mit Taktik oder Strategie zu tun. Es geht dann auch nicht um Kampfgeist oder Ehrgeiz, sondern um Selbstlosigkeit und darum, dass Glück eines geliebten Menschen über das eigene Glück zu stellen.

Wer oder was die Liebe ist, diese Frage kann nur jeder für sich beantworten und erfahren. Aber ein Spiel ohne Gewinner, das ist sie wahrlich nicht.

Aus gegebenem Anlass

Was bringt dir dein Leiden. Ein weiser Satz. Der zuerst völlig paradox erscheint, denn leiden zu müssen, sucht sich sicher niemand aus. Leid wird erfahren, wird zugefügt oder hält das Schicksal bereit. Verständlicher wird der Satz für meine Begriffe erst dann, wenn man Leid von Traurigkeit trennt. Denn diese folgt aus dem Leiden. Über unsere Gefühle haben wir keinerlei Kontrolle, egal wie rational wir veranlagt sind oder wie erfahren wir im Umgang mit Gefühlen sein mögen. Die Gewalt der Gefühle macht ihr Wesen aus, im Glück und in der Trauer.

Was wir allerdings entscheiden können ist Leiden zu beenden. Wir können das Leiden anderer mildern durch Anteilnahme und Trost und Gegenwart. So können wir auch unser eigenes Leiden mildern und schließlich beenden, wenn wir dieses Leid aus einer anderen Perspektive betrachten. Denn die Gestalt des Etiketts dessen, was uns widerfährt und was daraus resultiert und was dies mit uns macht, die entscheiden wir selbst. Es liegt an uns, unser Selbstkonzept zu überdenken, uns zu entscheiden, wer wir sein wollen und wie wir uns selbst sehen und damit bestimmen wir ein Stück weit auch, wie andere Menschen uns wahrnehmen. Auf diese Weise haben wir die Chance, die Kontrolle zurückzugewinnen. Stück für Stück. Aus dieser Einsicht erwachsen auch neue Möglichkeiten. Wir gewinnen Vertrauen und Sicherheit zurück, wenn wir erkennen, dass wir, egal wie alt wir sind, uns in einer stetigen Entwicklung befinden. Wir treffen Entscheidungen, wir sprechen Dinge aus, wir handeln und wir treten auf. Über all diese Facetten unseres Seins haben wir die Kontrolle, wenn wir bewusst leben. Sicher hat auch diese recht analytische Sicht der Psyche ihre Grenzen, weil wir nicht immer stark sind und weil wir uns nicht immer über jede Sekunde unseres Daseins bewusst sind. Aber an einem Scheideweg haben wir dennoch die Chance, genau diese Erkenntnis einzusetzen und zu wählen, welches Etikett, welche Selbstwahrnehmung, welchen Teil unserer Persönlichkeit wir herausstellen wollen.

Wir schreiben uns ständig zu, wer wir sind und wie wir sein wollen. In jeder unserer sozialen Rollen, in jeder Prüfungssituation und in jedem Gespräch, das an die Substanz geht. Sicherlich brauchen wir Fixpunkte und Kerne unseres Selbstverständnisses, derer wir uns sicher sein können, die gut und schlecht sind, damit wir reflektiert bleiben können. Aber wir dürfen darüber nicht vergessen, dass auch Erwachsene das Recht haben zu entscheiden, wer sie sein wollen. Vielleicht verlieren wir nach der Kindheit und der Pubertät die Motivation, uns immer wieder neu zu erfinden oder ermüden anlässlich der Energie, die es kostet, sich selbst zu hinterfragen und richten uns deshalb in der Fremdwahrnehmung ein, die ja häufig positiv ist, denn Familie, Freunde und Kollegen schätzen uns für unsere Stabilität, unsere Berechenbarkeit und unsere Verlässlichkeit. Erst wenn wir Grenzerfahrungen machen, werden wir geweckt, das Selbst wird bis ins tiefste Mark erschüttert. Genau an dieser Stelle wünsche ich mir, dass wir alle den Mut besitzen, uns auf Neues einzulassen und Altes hinter uns zu lassen.

Ich kann mich jetzt als die Verschmähte betrachten, als die Ausgenutzte, als die, auf deren Herz herumgetrampelt worden ist und die all dies ohne Widerrede oder Widerstand hat über sich ergehen lassen und nun leidet.

Oder ich kann die vergangenen Monate als Erfahrung betrachten, die mich wieder ein Stück weiter gebracht hat, vor allem im Hinblick darauf, welche Menschen in meinem Leben einen Wert besitzen und welche nicht und was vielleicht am wichtigsten ist: Ich bin dem Rätsel ein wenig näher gekommen, wie ich eben dies herausfinde und was mich glücklich macht.

Also lieber …, danke für nichts, außer dem Anstoß zur Selbsterkenntnis.

Das Leben leben lassen

Lang lang ist’s her…und jetzt weihnachtet es auch schon wieder sehr. Dies bringt kurz und knapp auf den Punkt, wie stressig die letzte Zeit war und wie immer in solchen Zeiten, fehlt die Ruhe und die Beharrlichkeit sich den wichtigen Dingen im Leben zu widmen. Auch wenn die Weihnachtszeit die Zeit der Besinnlichkeit und inneren Einkehr ist, so werden wir doch jedes Jahr aufs neue eindrucksvoll in den Strudel der Werbemacher gezogen, die nicht müde werden uns zu suggerieren, dass wir erst dann gute Freunde, Eltern oder Nachbarn sind, wenn wir das passende Geschenk zur rechten Zeit am Ziel abliefern.

Das Leben leben lassen bedeutet heute Abend für mich, sich auf eine andere abenteuerliche Reise einzulassen. Die Reise zu sich selbst. Ja ja, ich weiß, jetzt seufzen wieder einige tief und denken sich, was soll dieser ganze Unsinn mit dem Selbstfindungstripp? Keine Ahnung. Denn wenn ich das wüsste, dann würde ich mich sicher nicht auf die Reise begeben. Ich weiß nicht, ob ihr euch noch erinnert, aber auf meiner To-do-Liste im ersten Blogeintrag in diesem Jahr stand, dass ich keine Angst mehr haben möchte, vor allem vor Veränderung. Dazu gehört sicherlich auch, keine Angst mehr vor der Frage zu haben, was man vom Leben erwartet. Wenn man diese Frage ernst nimmt, dann bleibt am Ende keine Wahl. Dann muss man sich zwangsläufig auf einen Weg begeben und sehen, wohin er geht. Die Einsicht, die ich gewonnen habe, ist die: Ich kenne weder den Weg noch das Ziel. Das ist schon deprimierend. Sicher ist nur, dass sich etwas verändert und das ist gut. Das ich diese Tatsache akzeptiert habe, ist ein Fortschritt, zumindest für mich. Auf der Liste stand auch ein Tattoo, genauer gesagt ein Tattoo auf dem Allerwertesten. Um ehrlich zu sein, hatte ich keinen Plan davon, wie schwierig es ist, einen Tätowierer zu finden, der das Motiv der Wahl sticht und auch in dem Stil, wie man es gerne hätte. Geschweige denn hatte ich irgendeine Ahnung, wie teuer das ganze Unterfangen ist. Das Ergebnis kann sich allerdings sehen lassen. Jedoch nicht auf dem Hintern, sondern auf dem Rücken…sonst hätte es sich um pure Verschwendung gehandelt.

Mein Herz ist übrigens auch wieder gebrochen, obwohl ich dachte, ich sei über jegliche Enttäuschung erhaben. Das Gute daran ist, dass ich langsam beginne zu verstehen. Nicht die Welt, auch nicht die Liebe oder gar die Männer, nein, ich beginne zu verstehen, wer ich bin und warum ich Dinge tue und andere wiederum nicht. Ich habe bereits berichtet, dass ich nicht alleine sein kann. Jetzt liegen sechs Monate Singledasein hinter mir. Ich beginne langsam zu verstehen, dass ich stets auf der Suche war nach einem potentiellen neuen Partner. Ganz gleich, ob ich mir selbst vorgemacht habe, genau das nicht zu sein. Vielleicht gelingt es mir ja jetzt, nach einer schmerzvollen Zurückweisung, endlich zu akzeptieren, dass ich so bin, wie ich bin und dass ich alleine bin und es auch noch eine Weile bleiben werde UND mir das auch genauso selbst ausgesucht habe. Na dann herzlichen Glückwunsch und frohe Weihnachten!