Der Pinguin und der Eisbär – eine Fabel

Die Eisschollen glänzten in der Abendsonne, als sich der Eisbär wieder auf die Suche nach etwas Essbarem begab. So weit er auch schaute, er konnte nirgendwo eine Robbe oder aber einen Fisch ausmachen. Er dachte bei sich, es wäre gut, wenn sich die kleinen Robben nicht so sehr vor ihm fürchten würden, am liebsten wäre es ihm ja auch, wenn er sich von Algen und Seetang ernähren könnte, wie es die schönen großen Wale taten. Aber sein Magen knurrte schon hörbar. Da tauchte direkt vor ihm aus dem Wasser ein Pinguin auf. Noch nie hatte der Eisbär ein solches Tier gesehen. Erstaunt hielt er inne und wartet. Der Pinguin warf sich erschöpft auf eine der Eisschollen und schnaufte erleichtert. „Bin ich hier richtig?“ fragte er. „Das weiß ich nicht.“ antwortete der Eisbär. „Wo wolltest du denn hin?“ „Na zurück zum Südpol natürlich!“ erwiderte der Pinguin entgeistert. „Der Südpol ist dein Zuhause?“ „Ja!“ antwortete der Pinguin, „Ich habe mich auf den Weg in die Welt begeben. Dabei bin ich durch viele Meere und Flüsse geschwommen, habe Fische, Krebse und Vögel getroffen und mich mit Ihnen unterhalten.“ Der Eisbar sah in verdutzt an. „Warst du auch auf der Suche nach Futter? Mir geht es da ganz ähnlich, ich finde keine Robben mehr, die ich fressen kann. Fische habe ich hier schon ewig nicht mehr gesehen.“ gab er betrübt zur Auskunft. Jetzt sah in der Pinguin misstrauisch von der Seite an und fragte zögerlich: „Du weißt es nicht?“ „Was weiß ich nicht?“ entgegnete der Eisbär. „Ihr habt die Fisch und Robben verjagt!“ Aufgeregt richtete der Pinguin sich zur vollen Größe auf und watschelte von einem Ende der Eisscholle zum anderen. „Ihr habt eure Beute bedingungslos gejagt. Jeden Tag habt ihr euch den Bauch vollgeschlagen und euch in der Sonne ausgeruht. Ihr habt mehr gegessen, als ihr zum Leben gebraucht habt und nun leben hier keine Fische und Robben mehr!“ Der Bär setzte sich betrübt auf einen kleinen Berg Eis, der ihn unangenehm in den Hinter pikste. Nach einer Weile sprach er: „Wir? Es gibt kein „wir“ mehr. Ich lebe alleine am Nordpol, schon seit vielen, vielen Jahren. An meine Eltern kann ich mich gar nicht mehr erinnern. Ich bin der letzte Eisbär auf der Welt.“ Traurig erhob er sich, schlich gebeugt zum Rand der Scholle und steckte seine Nase kurz in das eiskalte Wasser. Der Pinguin blickte ihm nach. Dann plusterte er sich entschlossen auf, steckte die Brust aus und ließ sich auf seinen Bauch fallen. Dadurch rutschte er mit Schwung über den Rand der Eisscholle und plumpste ins Wasser. Bevor er seinen Schwanz in die Höhe reckte, um dann Kopfüber ins Wasser zu tauchen, drehte er sich bekümmert zu dem Bären um. Er erklärte ihm: „Es ist einfach sich zu bedienen, wenn der Tisch reich gedeckt ist.“ Mit diesen Worten tauchte er unter und verschwand. 

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