Wie werd ich ihn los in 10 Tagen?

Was macht Mann respektive Frau, wenn es Sonntagmorgen 06:30 Uhr ist, man dementsprechend tief und fest schlafen und sich auf ein ausgedehntes Frühstück freuen sollte? Richtig, einen detox Tee kochen, leise durch die Wohnung schleichen und sich überlegen, wie man aus dem Schlamassel herauskommt, der nebenan selig im eigenen Schlafzimmer schläft und schnarcht. Ich komme mir gerade vor wie Carrie Bradshaw und habe sicherheitshalber im Fenster nebenan Spiegel online geöffnet, damit ich schnellstmöglich switchen kann, falls sich etwas im Nebenzimmer regen sollte. Eine Kolumne über das Beziehungs- und Lifestyle-Leben in New York zu schreiben, hat sicherlich seinen Charme und ich würde niemals leugnen, dass wir nicht alle, die wir heute zwischen 30 und 40 Jahre alt sind, viel von Carrie und Co. gelernt haben, aber dennoch komme ich mir gerade vor wie im falschen Film.

Das Ganze fing eigentlich recht harmlos vor zwei Monaten während eines Abendessens bei einer guten Freundin an. Ich war gerade aus Irland zurückgekommen, voller Energie und Tatendrang und beseelt von vielen imposanten Eindrücken und dem Gefühl der Unabhängigkeit, nachdem ich ein kleines Road Trip-Abendteuer auf der grünen Insel erleben dürfte. Die Zeit alleine hatte viel Raum für das Kreisen der Gedanken gelassen und ich konnte Prioritäten setzen und im Geiste Pläne schmieden, was mir ein enormes Gefühl der Befriedigung verschafft hat. Dass ich an diesem besagten Abend jemanden kennenlernen könnte, ist mir nicht im entferntesten in den Sinn gekommen und gehörte auch mit Nichten zu meinen Plänen, was so unglaublich typisch für mich ist. Drei Wochen und drei Dates später fand ich mich dann in der Wohnungen des schlafenden Gastes mit der Frage konfrontiert, was ich eigentlich von Freundschaft plus halten würde. Nicht wirklich viel um ehrlich zu sein, wobei ich mir damals sicher war, dass kein Zwang bestünde, dem Kind einen Namen zu verleihen. Der Ansicht bin ich auch immer noch, jeder Sache ein Etikett zu verleihen ist auch nicht immer zuträglich, keine Frage. Die Erfahrung, die ich bis dato noch nicht machen dürfte, ist allerdings eine wahre Herausforderung, nämlich sich näher mit einem Menschen auseinanderzusetzen, der mitten in einer dicken fetten Midlifecrisis steckt. Das Ergebnis? 39, Herzchirurg, Heirats- und Kinderwunsch und Bindungsängste. Seitdem stecke ich zwischen diesem ganzen Wirrwarr und habe gerade das Bedürfnis die Zeit zurückzudrehen und alles auf Anfang zu setzen. Ich kann dieses Paket im Moment so gar nicht gebrauchen. Etwas unbeschwertes, unkompliziertes wäre nett gewesen und vermutlich auch das, was ich brauchen könnte. Stattdessen scheint es eine Art Aufgabe zu sein, die mir das Schicksal auferlegt hat, auf Menschen zu treffen, die ein beachtliches Päckchen mit sich herumtragen und auch keinen Hehl daraus machen. Fast schon unverschämt offen und direkt sehe ich mich konfrontiert mit diffusen Frauengeschichten, gescheiterten Beziehungsversuchen und unsteten Pläne eines attraktiven Mannes, der gerade dabei ist, sein Leben neu zu ordnen und mehr Baustellen als Land unter den Füßen hat. Ich kenne dieses Gefühl zwar selbst mehr als gut, aber ich haue keinen beinahe fremden Menschen alle meine Probleme nonstop um die Ohren. Zwischenzeitlich komme ich mir vor wie Kate Hudson, die Matthew McConaughey verzweifelt versucht loszuwerden und andersherum.

Natürlich könnte ich einfach einen Schlussstrich ziehen, mich nicht mehr melden, sogar ohne eine tiefgreifende Erklärung abzugeben, aber mein Helferkomplex lässt das nicht ohne weiteres zu. Eine kleine Vertrauensbasis ist ebenfalls bereits geschaffen, sodass ich mich schon wieder in eine Geschichte verstrickt sehe, von der ich jetzt schon weiß, dass sie kein gutes Ende nehmen wird. Es ist zudem äußerst erschreckend, dass meine und die Erfahrungen meines näheren Umfeldes die Vermutung nahe legen, dass an der Generation Beziehungsunfähig doch etwas wahres dran sein könnte. Ich frage mich nur, warum uns alle der Mut verlassen hat, sich auf etwas einzulassen. Sind wir alle zu oft und zu tief verletzt worden? Wollen wir uns nicht binden, weil wir glauben oder hoffen, etwas noch besseres zu finden? Sind wir auf der Suche nach dem einen Seelenverwandten oder ist es schlicht das schier unerschöpfliche Angebot, das uns zweifeln und unverbindlich werden lässt?

Für meinen Teil weiß ich sicher, dass ich nicht die treibende Kraft in diesem speziellen Fall sein werde, die zuversichtlich und initiativ die Werbetrommeln für eine gemeinsame Zukunft rühren wird. Ich wünsche mir, dass diesen Job der Mann übernimmt. Nicht, weil ich keine Verantwortung übernehmen möchte oder keinen Mut aufbringen kann, sondern weil ich mir erhoffe, dass es dort draußen noch Männer gibt, die sich entscheiden können, die keine Angst haben, etwas zu verpassen und die den Wert erkennen, der sich hinter meinem Vertrauen, meiner Ehrlichkeit und meiner Ernsthaftigkeit verbirgt.

Ich kann nicht jeden retten, eine Lektion, die ich in den letzten Monaten auf bittere Weise lernen musste. Auch wenn ich vielleicht nicht selbst gerettet werden muss, möchte ich doch von einem Mann vollen Einsatz erleben und mir sicher sein, dass er mit Zuversicht und allen guten Vorsätzen in die Zukunft schaut und sich ohne zu zögern für mich entscheidet.

Jetzt müsste ich nur noch den Hintern hoch bekommen und all das meinem schlafenden Gast verständlich machen. Er wird dann vermutlich entscheiden, ob er beim nächsten Besuch eine Zahnbürste mitbringt oder aber das Weite sucht ;).

 

3 Gedanken zu “Wie werd ich ihn los in 10 Tagen?

  1. ChaosLu schreibt:

    Hahahahahahaha, das klingt wirklich wie Sex in The City. Wie alt bist Du denn? Aber Herzchirurg, Bindungsangst…das klingt echt therapiebedürftig. Mein Tipp: Genieße jeden Tag, geh in die Beziehung rein nach dem Motto, wenn es morgen vorbei ist, hattest Du wenigstens eine gute Zeit. So bin ich zu meinem Mann gekommen 🙂

    Gefällt 1 Person

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